Route: Delhi → Shimla → Himachal Pradesh → Umweg über Delhi → Leh → Rumtse Plateau → Tso Moriri See
Ziel: 6000er-Besteigung über das Rumtse-Plateau (Spiti nach Ladakh)
Praktische Reiseinformationen am Ende der Seite
Bilder unterhalb des Reiseberichts
Der September und der Oktober — das ist eigentlich die goldene Reisezeit im Herbst im Himalaya. Der Sommermonsun ist durch, die großen Schneemassen des Winters noch nicht da. Genau dieses Fenster haben wir geplant: eine Tour von Spiti nach Ladakh über das Rumtse-Plateau, mit der Besteigung eines der südlichen 6000er.
Was wir nicht eingeplant hatten: den Klimawandel. Wieder einmal merkt man, dass der Klimawandel überall auf der Erde zuschlägt - und das Himalaya macht hier keine Ausnahme.
Anders als in all unseren bisherigen Himalaya-Touren gab es bereits im September heftigste Schneefälle und Starkregen und im Oktober schon ausgewachsene Winterstürme — an Orten, wo wir vor einigen Jahren zur gleichen Zeit noch ungestört am Qomolangma-Massiv unterwegs waren.
Wir starten in Delhi. Die erste Etappe führt über Shimla und durch das grüne Kinnaur-Tal in Richtung Spiti — jenem hochgelegenen Wüstental, das auch erfahrenen Himalaya-Reisenden den Atem
raubt. Der Ausgangspunkt unseres Treks liegt noch weit voraus. Doch wir kommen nicht weit.
Starkregen und frühzeitige Schneefälle haben die Berghänge destabilisiert. An der Einfahrt nach Spiti und Kinnaur versperren Erdrutsche und Schlammlawinen die einzige Strasse. Keine Umfahrung, kein Durchkommen. Wir warten. Wir warten weiter.
Nach Tagen der Blockade wird klar: Die Route ist nicht passierbar. Nicht heute, nicht in den nächsten Tagen. Das Ziel, von Spiti über das Rumtse-Plateau nach Ladakh aufzusteigen, ist damit noch vor dem ersten Schritt gescheitert.
Umweg über Delhi — und ein Flug der nicht landet
Plan B: über Delhi auf die Nordseite der Bergkette. Leh, die Hauptstadt Ladakhs, liegt in jenem wüstenartigen Teil des Himalaya, wo sich Karakorum und Himalaya begegnen — ein Klima, das selbst bei Unwettern im Süden oft stabil bleibt.
Der Manali-Leh Highway ist seit über einer Woche gesperrt, ohne Aussicht auf Öffnung. Also versuchen wir es per Flugzeug.
Der Flieger startet. Leh liegt fast unter uns. Dann: Unwetter, Schnee, Nebel, Nullsicht. Der Pilot dreht um. Wir landen wieder in Delhi, wo wir gestartet sind. Der nächste Versuch, nach Ladakh zu gelangen, ist gescheitert. Delhi ist zu dieser Jahreszeit heiß, stickig, laut. Ein harter Kontrast zu den Bergen, die wir eigentlich anvisiert hatten. Mit unserer lokalen Agentur planen wir erneut - andere Route, andere Tour.... Für die ursprünglich geplanten Bergbesteigungen läuft uns langsam die Zeit davon.
Endlich Leh — aber der Schnee ist schneller
Mit etlicher Verspätung erreichen wir schließlich doch noch Leh. Die Stadt liegt auf 3.500 Metern, eingebettet zwischen kahlen Bergrücken und einem Himmel, der hier oben eine Klarheit und Intensität hat, die man anderswo nur aus den hohen Gebirgen oder dem Altiplano kennt.
Aber auch Ladakh hat in diesem Jahr die Unwetter stark abbekommen. Anfang September brechen Schneefälle und starke Regenfälle herein, die für diese Region bis vor Kurzem mehr als selten waren. Die Bewohner Ladakhs leben in Lehmhäusern — eine Bauweise, die über Jahrhunderte für ein trockenes Wüstenklima optimiert wurde, nicht für anhaltende Regenmengen. Viele Häuser werden schwer beschädigt und in den Bergen liegt bereits sehr viel Schnee und etliche Pässe sind aufgrund von Erdrutschen und Geröll-Lawinen unpassierbar.
Unsere Packpferde kommen durch den Schnee und wegen der weggespulten Wege nicht mehr durch. ...und erneut planen wir um - neue Route, neuer 6000er...
Statt des ursprünglichen 6000er-Ziels über das Rumtse-Plateau wählen wir eine Route, die machbar bleibt: von Nord nach Süd durch Ladakh, mit dem Tso Moriri — einem der eindrucksvollsten
Hochgebirgsseen der Welt auf 4.500 Metern Höhe — als Endpunkt.
Und auf dem Weg dorthin: ein 6000er. Einen, der unter den gegebenen Bedingungen noch erreichbar ist. Seinen Namen nennen wir hier bewusst nicht — aus administrativen Gründen, die jeder nachvollziehen kann, der die Administration für Gipfel-Permits im Himalaya kennt...
... wenigstens sind wir an diesem Gipfel erfolgreich, bei bestem Wetter. Oben: Stille, weisse Gletscher und ein Ausblick auf das Karakorum im Osten und das Himalaya im Süden gleichzeitig.
Tso Moriri — Im Süden Ladakhs
Der Tso Moriri ist keine Selbstverständlichkeit. Der See liegt in einem abgelegenen Tal im südlichen Ladakh, nahe der tibetischen Grenze. Aber: dieses Blau. Ein Blau, das keine Kamera und kein Bildschirm wirklich wiedergibt. Das Wasser liegt völlig ruhig zwischen braunen Bergflanken und schneebedeckten Gipfeln. Wir steigen in einem Speed-Hike noch zum Basislager-Platz unseres ursprünglich geplanten 6000ers auf. Für eine komplette Begehung fehlt uns leider inzwischen die Zeit.
Am Abend sitzen wir am Ufer. Die Reise, die so oft anders hätte enden können — und die uns so viele Male zurückgeworfen hat — endet hier. Mit diesem Blick.
Beste Reisezeit
Traditionell gelten Juni und Juli sowie September bis Oktober als beste Monate für Hochtouren im Himalaya, in Ladakh auch der August. Die Ereignisse dieser Reise zeigen jedoch, dass der Klimawandel diese Fenster zunehmend unzuverlässig macht.
Anreise nach Leh
Flüge von Delhi (DEL) nach Leh (IXL) täglich, ca. 1 Stunde. Buchung früh empfohlen, da Sitzplätze bei Wetterausfällen knapp werden. Alternativ: Manali-Leh Highway (2 Tage), aber sehr wetterabhängig und im Oktober häufig gesperrt.
Akklimatisierung
Leh liegt auf 3.500 m. Mindestens 2 volle Ruhetage vor größeren Touren sind Pflicht.
Tso Moriri See
Erreichbar von Leh über Chumathang (ca. 220 km, Jeep empfohlen). Inner Line Permit für den Tso Moriri erforderlich — in Leh bei der Deputy Commissioner’s Office zu beantragen.
6000er Besteigungen in Ladakh
Für 6000er Besteigungen in Indien ist eine Genehmigung der Indian Mountaineering Foundation (IMF) in Delhi Pflicht. Frühzeitig beantragen, am einfachsten über eine Agentur in Leh — Bearbeitungszeit kann mehrere Wochen dauern.