Nepal: Annapurna Circuit / Thorung La Pass - Upper Mustang Trek und Tiji-Festival 2016 in Lo Manthang, Mustang

Nachdem wir alle Formalitäten (6 Permits für die vielen Restricted Areas) und die Organisation für unsere Saribung Peak-Expedition im entlegenen Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet erledigt haben, machen wir uns auf den Weg in die Annapurna Region – zur ersten Etappe auf unserem zweiten grossen Trek.

 

 

Es dauert etwas mehr als eine Stunde, bis wir die dicke gelbe Smog-Glocke von Kathmandu, die uns das Atmen zeitweise wirklich fast unmöglich gemacht hat, hinter uns gelassen haben und endlich auf dem Highway unterwegs sind, der sich von Ost nach West auf halber Höhe durch Nepal zieht. Der Highway  ist eine zweispurige (manchmal auch nur einspurige) Landstrasse, die nach König Prithvi Narayan Shah benannt wurde, der als erster Regent Nepal als Land vereinigt hat. Nach siebenstündiger Fahrt treffen wir spät am Abend in Besi Sahar ein, dem Startpunkt für den Annapurna Circuit.

 

Für uns ist der Annapurna Circuit Ausgangspunkt und Zustieg für unsere Expedition zum Saribung Peak. Der Saribung Peak ist entweder über Mustang (in ca. 10 Tagesmärschen) oder über Phu erreichbar. Wir wollen im Zugang über den Annapurna Circuit und den 5416 m hohen Thorong La Pass gehen und so noch grosse Teile der Annapurna-Runde mitmachen, bevor wir dann in Kagbeni im Kali Gandaki-Tal auf den Upper-Mustang Trek nach Lo Manthang abbiegen. Von dort soll es dann mit einer kompletten Expeditions-Crew aus Trägern und Climbing Sherpas zuerst zu den heiligen Seen von Damodar Kund gehen und von dort weiter zum Base Camp und den einzurichtenden High-Camps. Den Abstieg vom Saribung Peak und Pass planen wir durch das einsame Naar-Phu-Tal (eine tibetisch-geprägte Berg-Enklave). Die Überquerung des über 5000 m hohen Kang La Passes soll uns am Ende wieder zurück in die Zivilisation bringen.

 

Während der Fahrt in die Annapurna-Region verändert sich ganz allmählich die Landschaft und wird zunehmend tropischer. Die karge Vegetation des Kathmandu-Tals wird durch tropische Bäume und Bananen-Plantagen abgelöst. Es ist ein komisches Gefühl, durch suptropische Landschaft zu reisen, im Wissen, dass man eigentlich auf dem Weg zu einer 6000er-Besteigung ist…

 

 

Annapurna Circuit und Thorung La Pass

 

Unser erster Übernachtungsort ist Besi Sahar, ein typischer tropischer Strassenort mit rein funktionalem Charakter. Seit Teile des Annapurna-Circuits mit dem Jeep befahrbar sind, hat Besi Sahar primär die Rolle eines Versorgungszentrums und eines Jeep-Parkplatzes für die Dörfer im Marsyangdi-Tal. Auch wir nehmen am nächsten Morgen für die erste Etappe des Circuits einen Jeep, da wir nicht auf der Strasse laufen wollen. Die Strasse mutet zum Teil recht abenteuerlich an. Sie ist in schlechtem Zustand in den Fels gesprengt, extrem steinig, streckenweise sehr steil und nur eine Spur breit, an der einen Seite begrenzt durch Felswände, auf der anderen Seite geht es ein paar hundert Meter in die Tiefe. In Punkto Offroad-Anforderungen sicherlich eine der eher anspruchsvolleren Strecken, die wir kennen, aber der kleine indische Mahindra Bolero 4x4-Jeep leistet ganze Arbeit und meistert jede Felsstufe. Nur wir sind danach ziemlich durchgeschüttelt und haben den einen oder anderen blauen Flecken.

 

Der Annapurna Circuit ist eine viel begangene Trekkingroute, die auf eher niedriger Höhe das Tal entlang führt. Zu Beginn laufen wir auf breiten, sandigen Wegen erst durch subtropische Wälder und Reisfelder, später dann durch angenehm duftende Pinienwälder. Je höher wir kommen, desto niedriger werden die Bäume und Büsche. Die Baumgrenze liegt bei ca. 4000 Meter.

 

Der Weg führt zunächst nach Pisang. Es gibt ein Upper Pisang oben am Berg, und ein Lower Pisang unten am Fluss. Upper Pisang ist der alte, ursprüngliche Ort. Das merkt man einerseits an der traditionellen Bauweise der Häuser, andererseits aber auch daran, dass das Durchschnittsalter der Einwohner von Upper Pisang deutlich über 80 Jahren liegen dürfte. Die Jungen sind alle ins modernere Lower Pisang gezogen. Wir übernachten in Upper Pisang und laufen am späteren Nachmittag, als der tägliche Regen endlich wieder aufhört, durch den Ort und besuchen das Kloster oberhalb des Ortes, das gerade restauriert wird. Die Mauern der Häuser bestehen aus aufgeschichteten Steinen und sind unverputzt. Von den vielen hölzernen Zwischenbalken wird in der Regel der unterste von Tier-Hörnern gehalten. Die Gassen sind schmal und verwinkelt. Wie bei allen Orten in Nepal, so findet man auch hier am Ortsein- und -ausgang ein Tor mit Gebetsmühlen und Malereien sowie eine Wand mit Mani-Steinen. Auch eine kleine Stupa hat es am Ortsende. Wir achten stets darauf, dass wir die Stupa im Uhrzeigersinn umrunden und an den Mani-Mauern immer links vorbeigehen, ausserdem drehen wir alle Gebetsmühlen – natürlich auch im Uhrzeigersinn. Das ist hier so üblich und darüber hinaus sicher gut fürs eigene Karma.

 

Über Manang und Yak Kharcha treffen wir am Fuss des Thorong La Passes ein. Der Weg ist durchweg gut und für unsere Verhältnisse – auch im Vergleich zum vorherigen Trek in der Everest Region – sehr einfach. Die Infrastruktur des Circuits erinnert eher an einen gemütlichen und perfekt markierten Spazierweg, denn an einen Trekkingpfad. In den Dörfern dominieren die Lodges und die Bäckereien – so ist zum Beispiel in Manang gefühlt jedes zweite Haus eine Bäckerei – und Apfelstrudel ist der Renner schlechthin. Auch wir gönnen uns zur Feier des Tages einen Apfelstrudel, schliesslich haben wir heute morgen durch Zufall festgestellt, dass gestern unser Hochzeitstag war. Wir haben mittlerweile jedes Gefühl für Zeit verloren und könnten nicht auf Anhieb sagen, welches Datum oder welcher Wochentag gerade ist. Aber für uns ist das im Moment eben auch nicht wichtig.

 

Während wir also genüsslich unseren Apfelstrudel essen und dem regen Treiben um uns herum zuschauen, fällt uns auf, dass sich die Trekker auf dem Annapurna-Circuit irgendwie von denen in der Everest-Region unterscheiden: Die Annapurna-Trekker sind jünger als die Trekker in der Everest-Region, obwohl der Annapurna-Circuit weitaus weniger anspruchsvoll ist als im Khumbu. Waren die Trekker in der Everest-Region (Khumbu) eher älter und in Bezug auf Bergbekleidung meist sehr gut ausgestattet, so treffen wir hier eher auf die Turnschuhgeneration im wahrsten Sinne des Wortes. Uns fällt auch auf, dass die Preise hier noch höher sind als in der Everest-Region – und das obwohl die Waren-Versorgung bis Manang komplett mit dem LKW erfolgt, während im Khumbu alles zu Fuss mehrere Tage bis Wochen lang in die Dörfer getragen werden muss. Vielleicht sind wir von den landschaftlichen Highlights und den bergtechnischen Anforderungen der Treks und Pässe aus der Khumbu-/Everest-Region verwöhnt, aber wir sind ein bisschen enttäuscht von dem Circuit, sowohl landschaftlich als auch vom Weg. Und auch der Thorong La Pass entpuppt sich, obwohl immerhin 5416 m hoch, eher als gemütlicher Wanderweg denn als echter Himalaya-Trekkingpass – zumindest empfinden wir das so. Der Weg ist breit und eben, steigt kontinuierlich an und führt in weiten Serpentinen über unzählige, unbewachsene, sandige und steinige Hügelketten hinauf zum Pass. Vom High Camp bis zum Pass brauchen wir nicht einmal zwei Stunden. Vom Pass geht es dann auf ebenfalls breiten Wegen in etwas weniger als vier Stunden wieder 1600 Höhenmeter nach unten –nach Ranipauwa und Muktinath.

 

Muktinath ist ein Tempelbezirk, den sich Buddhisten und Hinduisten teilen. Für die Süd-Inder ist Muktinath eine der heiligsten Stätten überhaupt. Mit Bussen, mit Jeeps, zu Pferd und zu Fuss kommen jeden Tag scharenweise nepalesische, indische Pilger und Sadhus an, um im heiligen Wasser ein Bad zu nehmen, um im Tempel Opfergaben abzugeben und um ihre Trinkflaschen mit dem heiligen Wasser aufzufüllen, das aus 108 Wasserspeiern, die alle aussehen wie Kuhköpfe, fliesst. Nach der spirituellen Reinigung geht es für die meisten Pilger noch weiter zu einem kleinen buddhistischen Tempel, in dem unter dem Altar eine nie verlöschende Flamme brennt. Wir nehmen uns viel Zeit für den Tempelbesuch und lassen das bunte Schauspiel auf uns wirken, bevor wir uns zu Fuss auf den Weg nach Kagbeni machen, dem Tor nach Mustang.

 

Der Weg nach Kagbeni führt hinter Jharkot meist entlang der Strasse. Es ist windig, staubig und jedes Fahrzeug, das an uns vorbeifährt hüllt uns in eine Staubwolke. Von Kopf bis Fuss mit feinem Lehmstaub überzogen erreichen wir Kagbeni und haben erst einmal nur einen Wunsch: eine heisse Dusche. Erst danach begeben wir uns auf Erkundungstour. Kagbeni liegt sehr malerisch im Kali Gandaki Tal. Die Strassen und Gassen sind verwinkelt, die Häuser sind bereits vom tibetischen Stil geprägt. Wir besuchen das Kloster, drehen die Gebetsmühlen, umrunden die Mani-Mauer und riskieren am Checkpoint am Ende der Ortschaft schon mal einen ersten Blick in Richtung Upper Mustang. Unser Permit gilt erst ab morgen. Dann beginnt der nächste Teil des Treks, auf den wir schon sehr gespannt sind.

 

 

Upper Mustang

 

Wir verlassen Kagbeni am frühen Morgen und wandern entlang der Jeepstrasse immer oberhalb des Kali Gandaki Tals nach Chuksung. Der Weg windet sich durch eine wüstenartige Landschaft und bizarre Canyons. Unverhofft stehen wir plötzlich vor einer Apfelplantage, kurz danach zweigt der Weg in den winzigen Ort Tangbe ab. Nach einer kurzen Pause im Teehaus geht es weiter das Tal entlang, dann schliesslich vorbei an roten Felsen, über eine kleine Brücke und kurz und steil hoch nach Chele. Der Ort ist noch kleiner als Tangbe, aber es gibt ein paar sehr einfache Lodges und einen Coffeeshop. Mehr ist an Infrastruktur nicht vorhanden. Am nächsten Tag geht es weiter, über einen steilen, in den Fels gehauenen Pfad, nach Samar. Von dort machen wir einen Umweg – steil runter zum Fluss, steil hoch auf den Pass, wieder steil runter ins Tal und dann auf steilen Steinstufe hoch zu den Chungsee Caves, in denen Guru Rinpoche meditiert hat und vor die nun ein kleines Kloster gebaut worden ist. Danach geht es in endlosen Schleifen durch einen engen Canyon hoch nach Syangmoche.

 

Die Orte werden immer kleiner. Syangmoche besteht nur noch aus drei Häusern und einer Lodge. Die Lodge hat einen Innenhof mit Lehmboden, in dem ein grosser Tisch steht. Vom Innenhof zweigen die Zimmer, die Küche und ein Aufenthaltsraum – ohne Ofen – ab. Eine Holztreppe führt in den ersten Stock. Auch hier hat es Zimmer und – zum Glück – einen zweiten Aufenthaltsraum mit Ofen. Obwohl es abends oft recht kühl und windig ist, haben die meisten Lodges in Mustang keine Öfen in den Aufenthaltsräumen und erst recht nicht in den Zimmern. Und während die Guides und Träger sich in den winzigen Küchen um den warmen Herd scharen, zittern die Touristen in dicke Daunenjacken gehüllt über ihrem Abendessen.

 

Seit Tagen schon treffen wir tagsüber immer wieder auf kleinere und grössere Reisegruppen. Alle mit Guides und Trägern oder auch mit Packpferden unterwegs nach Lo Manthang zum berühmten Tiji-Festival. Entsprechend überfüllt sind die raren Unterkünfte entlang der Strecke. Wir wollten von Syangmoche aus eigentlich direkt nach Dhakmar laufen und dort übernachten. Aber in Dhakmar, so erfahren wir unterwegs, gibt es nur zwei Lodges und beide sind bereits ausgebucht. Wir beschliessen also, in Ghemi zu übernachten , dem Ort vor Dhakmar. Da wir am nächsten Tag direkt nach Lo Manthang wollen, also einen langen Tag vor uns haben, und es von Ghemi nach Dhakmar nur gut eine Stunde Fussmarsch ist, besuchen wir Dhakmar noch am selben Nachmittag. Wir kommen vorbei an der längsten Mani-Mauer Mustangs und an einer Ansammlung grösserer Chörtens und stehen schliesslich vor den roten Felscliffs mit den Höhlen, in denen früher Mönche meditiert und ihre Schüler unterrichtet haben sollen.

 

Wieder zurück in Ghemi wollen wir noch schnell dem Kloster im Ort einen Besuch abstatten. Die Klöster sind von aussen einfach zu erkennen an ihrer roten Farbe. Wir umrunden das Kloster zweimal, können aber keinen Eingang finden. Gerade als wir am vermeintlichen Tor rütteln, biegt ein Mönch in seiner roten Kutte um die Ecke. Wir fragen, ob er uns aufsperren kann. Er geht, um den Schlüssel zu holen und gibt uns auch gleich noch eine private Führung durchs Kloster. Wie sich im Gespräch herausstellt, ist er – obwohl noch sehr jung – der Kenpo, also Vorsteher des Klosters und verantwortlich für die 25 Mönche im Kloster. Er wiederum ist die Reinkarnation des letzten Kenpo. Dieser wohnte nämlich bei seinen Eltern im Haus und als er starb, soll er zur Mutter des jetzigen Kenpo gesagt haben: Wir sehen uns bald wieder. Diese bekam kurz darauf einen Sohn, dieser hat im Alter von drei Jahren auf einen Platz im Kloster gedeutet und gesagt: Hier habe ich immer lange meditiert. Daraufhin haben die Mönche beraten und beschlossen, der Junge muss die Reinkarnation des verstorbenen Kenpo sein. Und so kam der jetzige Kenpo zu seiner verantwortungsvollen Aufgabe.

 

Als wir am nächsten Tag aufbrechen, liegen acht Stunden Fussmarsch vor uns. Mittagspause machen wir in Lo Gekar, im Kloster Ghar Gompa, das eine interessante Geschichte hat. Das Kloster Samye in Tibet konnte nicht fertiggestellt werden; alles, was tagsüber von den Menschen aufgebaut wurde, wurde nachts von einem Dämonen wieder zerstört. Die Tibeter riefen Guru Rinpoche zu Hilfe. Dieser nahm den Kampf mit dem Dämon auf und vernichtete den Dämon an der Stelle, an der daraufhin das Kloster Ghar Gompa in Mustang errichtet wurde. Das Blut des Dämons färbte die Felsen der Umgebung von Dhakmar rot. Die Innereien des Dämons wurden in die Chörten kurz vor Dhakmar eingemauert. Erst nachdem das Kloster Ghar Gompa erbaut worden war, war es den Tibetern möglich, das Kloster Samye zu vollenden.  Die letzten vier Stunden von Lo Gekar nach Lo Manthang führen uns durch Hochtäler, die heute noch von nomadisierenden Viehhirten bewohnt werden, und in einem langen Abstieg hinunter nach Lo Manthang, das man schon lange vor dem Erreichen im Tal liegen sieht.

 

In vielen Reiseführern und Reiseberichten haben wir gelesen, dass das erste, was man von Lo Manthang sieht, wenn man sich über die umliegenden Hügelketten nähert, die imposante, sieben Meter Stadtmauer ist. Die Stadtmauer gibt es noch, allerding gibt es mittlerweile auch sehr viele Gebäude ausserhalb der Stadtmauer, so dass der Blick nicht mehr ganz so malerisch ist wie er vielleicht einmal war. Wir treffen am Vorabend des dreitägigen Tiji-Festivals in der Stadt ein. Das Festival findet jedes Jahr im Frühjahr statt und markiert den Beginn der Aussaat und damit auch die bevorstehende Regenzeit. Am Eröffnungstag wird auf dem Festivalplatz inmitten der Altstadt der Thangka (ein riesiges, gemaltes Bild auf Stoff) ausgerollt, dann nehmen die Mönche davor Platz und dann geht´s irgendwann los. Die ersten Tänze der Mönche beginnen. Der Platz ist gut gefüllt. Vorwiegend sind Touristen da. Das ändert sich schlagartig am zweiten Tag, dem für die Bevölkerung wichtigsten Tag des Festes, denn am zweiten Tag wird in 52 unterschiedlichen Tänzen die Geschichte erzählt, um die es beim Tiji-Festival geht: Ein Dämon hat Dürre über Mustang gebracht. Dorje Jono, die zentrale Figur unter den Tänzern, nimmt den Kampf gegen den Dämon auf, um ihn schliesslich zu besiegen und zu töten. Die endgültige Vernichtung des Dämons findet am dritten Tag statt. Alle gemeinsam ziehen wir aus der Stadt hinaus aufs Feld. Allen voran Dorje Jono mit den Überresten des Dämons, die er auf dem Feld niederlegt, sie zerschneidet, mit Pfeil und Bogen beschiesst, mit einer Steinschleuder attackiert und schliesslich mit einem Tigerfell schlägt. Jetzt erst ist der Dämon unschädlich gemacht. Der Sieg über den Dämon wird von Musketenschüssen begleitet. Das Schiessen mutet ein bisschen wie eine Nebenveranstaltung an und geniesst zumindest bei den Einheimischen weitaus mehr Interesse als die Rezitationen der Mönche. Als der letzte Schuss verhallt, ist das eigentliche Festival vorbei. Aber die Party geht weiter. Bis spät in die Nacht treten auf dem Platz in der Stadtmitte noch Künstler auf, wird gesungen und getanzt.

 

Natürlich nehmen wir uns auch die Zeit, Lo Manthang selbst zu besichtigen. Die Häuser sind wie in einem Labyrinth angeordnet, von oben betrachtet ist jedes Haus irgendwie mit jedem verbunden. Oben auf den Flachdächern liegen grosse Holzstapel – nicht zum Verbrennen, sondern als Zeichen des Wohlstands. Die Stadt ist idyllisch und pittoresk, wie eine Mittelaltersiedlung. Aber Lo Manthang ist keine Museumsstadt, hier in der Hauptstadt Mustangs, leben tatsächlich Menschen. Zwar mit Strom-, jedoch ohne Wasserversorgung in den Häusern. Beim morgendlichen Spaziergang durch die Gassen treffen wir Schulkinder, die sich am Dorfbrunnen waschen und Zähneputzen. Eine alte Frau treibt drei Yaks vor sich her – auch diese machen kurz am Dorfbrunnen Rast um zu trinken. Die Menschen hier leben in der Regel von Viehzucht und Landwirtschaft.

 

Am Tag nach dem Festival reisen die meisten Besucher wieder ab. Wir bleiben noch einen Tag und machen einen Ausflug nach Choser – diesmal nicht zu Fuss, sondern auf dem Pferd. Von Choser geht es weiter nach Thingkar, zu den Höhlen von Jhong, zum Kloster Lo Nirfu und zum Kloster Lo Garfu, durch trockene Wüsten-Canyons und entlang bewässerter Felder. Langsam beginnt es zu grünen und die ersten Weizenhalme sind sichtbar. Das spärlich vorhandene Wasser wird gemäss einem genauen, jedes Jahr aufs Neue von den Einwohnern Lo´s festgelegtem Plan verteilt. Zuerst erhalten diejenigen Felder Wasser, die am höchsten liegen und wo Getreide mit der längsten Reifezeit angebaut wird (Weizen 180 Tage bis zur Ernte, Buchweizen 80 Tage). Dann erst bekommen die niedriger gelegenen Felder Wasser. Auf dem Rückweg kommen wir noch am ehemaligen Sommerpalast des Königs vorbei, bevor wir in die nun fast menschenleere Stadt Lo Manthang zurückkehren.

 

Zum Schluss sei noch anzumerken, dass Gudruns Pferd bestimmt ein Anhänger der Bön Kultur war. Die Böns erkennt man nämlich daran, dass sie im Gegensatz zu den Buddhisten alle Chörtens, Stupas und sonstigen Heiligtümer gegen den Uhrzeigersinn umrunden. Als Gudrun das Pferd vor einer Mani-Mauer wieder einmal davon überzeugen will, links herum zu laufen, bleibt es einfach stehen und bewegt sich gar nicht mehr. Das Kräftemessen dauert mehrere Minuten. Dann gewinnt das Pferd.

 

Wieder einmal geht eine Reiseetappe zu Ende. Grund genug, für eine kleine Feier. Am Abend gehen wir in Lo Manthang in einem kleinen einheimischen Lokal essen und verdrücken 60 Momos – das sind kleine, gefüllte Teigtaschen. Ausserdem trinken wir ein leichtes nepalesisches Bier, das ähnlich wie Cidre schmeckt und das man auf keiner Karte findet. Es wird extra im Plastiktopf aus dem Nachbarhaus geholt. Wir müssen uns schliesslich noch mal stärken, bevor wir zur dritten Etappe aufbrechen, den heiligen Seen von Damodar Kund und dem Saribung Peak. Mit leerem Magen kann man keinen Berg besteigen – und einen 6000er schon gar nicht. 

 

Und für alle, die nachgerechnet haben: Es sind noch keine 30 Tage vergangen - und trotzdem gibt es einen neuen Bericht auf der Website ... das hat einen guten Grund. Aber mehr dazu erfahrt ihr im nächsten Bericht.

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